BWL-Industrie: Projektarbeit Nr.2

Hallo liebe Blogleser,

ich befinde mich zur Zeit in der Personalentwicklung bei Festo und schreibe gerade meine zweite Projektarbeit für die DHBW.

Jedes Studienjahr muss man eine wissenschaftliche Arbeit anfertigen. Im ersten Studienjahr wird die Projektarbeit jedoch nicht bewertet.

Die zweite Projektarbeit, die man im zweiten Studienjahr schreibt wird nicht nur bewertet, man muss diese auch noch mündlich verteidigen.

Mein Thema dreht sich um die Erstellung eines Trainingskonzepts für die Einführung von neuen globalen HR Prozessen und die Einführung einer neuen HR Software (SAP SuccessFactors). Dieses Trainingskonzept wird am Beispiel für unsere Tochtergesellschaft in China erstellt. Schwerpunkte sind hierbei die Kultur und Lernpsychologie Chinas.  Mich selbst interessieren diese Themen auch im privaten Bereich und daher ist das Thema wirklich super spannend! Allerdings muss beachtet werden, dass man bei der Projektarbeit “nur” max. 30 Seiten schreiben darf. Das hört sich vielleicht anfangs für viele nach echt ner Menge Arbeit an, aber wenn man mal dabei ist zu schreiben, dann sind 30 Seiten schnell voll – vor allem wenn man viel Literatur findet zu dem Thema – was hier der Fall ist. Es gibt so viele Bücher zum Thema Kultur (bekannt ist das Modell von Hofstde oder GLOBE) und zum Thema Lernpsychologie gibt es auch so einiges. Im Rahmen dieser Projektarbeit habe ich Leitfadengespräche mit ca. 12-13 Personen geführt – intern bei Festo, als auch extern mit HR Mitarbeitern aus anderen Unternehmen, die bisher mit China zusammen gearbeitet haben. Ganz schön spannend, was bisher dabei so rauskam.

Ohne zu viel zu verraten, kann man sagen, dass in China das Thema Machtdistanz sehr sehr wirchtig ist. Doch was ist eigentlich Machtdistanz?

Machtdistanz bezieht sich auf das Ausmaß der Akzeptanz einer Ungleichverteilung von Macht in einer Gesellschaft. Die Übertragung dieses Konzeptes auf den organisationalen Kontext impliziert zum Beispiel, dass ein Vorgesetzter in erster Linie aufgrund seiner formalen Stellung und in zweiter Linie aufgrund seiner Kompetenzen anerkannt wird.

In China bspw. ist die Machtdistanz sehr groß, d.h. Mitarbeiter stellen ihren Chef über alles und nehmen Anweisungen zu 100% an ohne darüber zu diskutieren. Seine eigene Meinung gegenüber dem Chef direkt zu äußern kommt sehr selten vor.

Anderes Beispiel: Kollektivismus vs. Individualismus: Diese Dimension beschreibt das Ausmaß der Bindung eines Individuums an soziale Bezugsgruppen wie Familie oder Organisationen. Kulturen, die individualistisch ausgerichtet sind, legen Wert auf das Erreichen persönlicher Ziele. In kollektivistischen Gesellschaften werden die Ziele der Gruppe höher geschätzt als die des Einzelnen.

In China steht immer die Gruppe im Vordergrund – das was die Gruppe beschließt ist Gesetz. Man selbst orientiert sich auch sehr stark an der Gruppe (Familie/Freunde) und versucht alles, um nicht aus dieser Gruppe rauszufallen.

Zum Thema Lernpsychologie, hier ein kleiner Ausschnitt aus meiner Arbeit: In einer Umfrage an einer Universität in Hong Kong wurden ca. 397 chinesische Studenten und 82 Professoren befragt, was sie unter effektiven Lehr- und Lernmethoden an Universitäten verstehen. Diese Ergebnisse wurden mit Methoden effektiver Lehr- und Lernmethoden in westlich geprägten Kulturen, wie den USA und Großbritannien verglichen. Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigten, dass in westlich geprägten Kulturen der Fokus auf das Verständnis des Lehrstoffes gelegt wird und die aktive Teilnahme der Studierenden an Diskussionen und kritischem Hinterfragen des Inhalts im Vordergrund steht. Das Auswendiglernen des Lehrstoffs hat nur geringe Wichtigkeit, während in China folgende vier Schritte dazu führen vollständiges Wissen zu erreichen: Auswendiglernen, verstehen, anwenden und hinterfragen des Inhalts. Dabei stellt der erste Schritt, sowohl für chinesische Studenten, als auch Professoren, das Auswendiglernen von Lehrstoff den wichtigsten Aspekt dar. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass der Konfuzianismus hierbei einen wichtigen Einfluss hat, denn dieser besagt „one should memorize as much knowledge as they possibly can, as one is incapable of the creation of intelligent thought without first obtaining enough basic knowledge“. Das routinierte Auswendiglernen von Lehrstoff wird also eher als eine signifikant wichtige Lernstrategie gesehen, als „nur“ das bloße Auswendiglernen, wie es für viele aus westlichen Kulturen auf den ersten Blick erscheint.

So, ich denke das reicht als kurzen Überblick :-)

Das coolste an der ganzen Sache ist, dass ich Ende Oktober für 3 Wochen nach Shanghai gehen darf und dort für unsere Auslandsgesellschaft im HR Bereich arbeiten darf – darauf bin ich echt gespannt. Ich halte euch auf dem Laufenden!

 

Bis bald,

euer Tefik

 

Be Sociable, Share!

Eine Antwort hinterlassen