Meine 3 Wochen in Shanghai

Hallo lieber Blogleser,

ich durfte drei Wochen für unsere chinesische Landesgesellschaft in Shanghai arbeiten und möchte euch gerne hierzu ein paar Einblicke geben.

Die vierte Praxisphase in meinem Studiengang (BWL-Industrie) geht in der Regel ca. 5-6 Monate. Bei mir begannen diese 5 Monate im Juni. Hier bin ich bei uns in der Personalentwicklung gestartet und habe das Projektteam rund um HR-LEAD (Unter HR-LEAD wird bei Festo die Personalstrategie verstanden) bis Ende Oktober unterstützt und hier auch meine zweite Projektarbeit für die DHBW geschrieben. Über die Personalentwicklung durfte ich dann anschließend für drei Wochen nach Shanghai reisen und dort unser HR Team im Bereich “Staffing, Training & Development” unterstützen.

Ich habe dort die Aufgabe bekommen zu analysieren welche kulturellen Unterschiede zwischen China, Deutschland und den USA in Bezug auf Rollen & Verantwortlichkeiten im Händlermanagement bestehen und was hierbei vom HR Team in China beachtet werden muss, wenn diese Trainings anbieten wollen für chinesische Vertriebler, d.h. auf welche Bereiche muss hier dann bspw. der Fokus gelegt werden, usw.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Unterschiede meiner Meinung nach signifikant sind zwischen den drei Ländern. In China ist es sehr wichtig, dass der Vertriebler die Fähigkeit hat schnell und einfach, vertrauenvolle Beziehungen zu seinem Kunden (hier: Händler) aufzubauen. Wichtige Studien zeigen, dass Menschen in China erst dann bereit sind Geschäftsbeziehungen einzugehen, wenn ein vertrauensvolles, freundschaftliches Verhältnis etabliert ist und das kann gerade in China eine lange Zeit in Anspruch nehmen. In Deutschland auf der anderen Seite ist es sehr wichtig, dass der Vertriebler in erster Linie zeigen kann, dass er über sehr hohes, technisches Know-How verfügt und der Kunde damit das Gefühl hat vom Besten betreut zu werden. In den USA wiederum ist es für den Kunden wichtig von A bis Z versorgt zu werden. HIer spielen vor allem Image und Marketing eine wichtige Rolle. Der Vertriebler muss natürlich auch technisches Know-How haben, aber vor allem auch charismatisch sein. Das sind nur ein paar sehr oberflächliche Informationen zu diesen drei Ländern, die ich in meiner Analyse dann noch weiter analysiert und anschließend präsentiert habe. Die Quintessenz daraus war, dass es nur bedingt möglich ist Rollen & Verantwortlichkeiten zentral von einer Stelle (bspw. Unternehmenszentrale) aus zu definieren und das global für alle Gesellschaften als “Standard” vorzuschreiben, da kulturelle Komponenten der Schlüssel zum Erfolg sind.

Neben dieser Analyse durfte ich auch die Kollegen aus dem “Staffing” Team bei ihrer jährlichen Campus-Tour unterstützen. Hier sind die Kollegen an die renommiertesten Universitäten rund um und in Shanghai gegangen und haben Festo als Unternehmen vorgestellt, um dann mögliche Bewerber für Festo zu rekrutieren. Hierzu durfte ich mit den Bewerbern Telefongespräche führen und mit Ihnen auf Englisch über ihren Lebenslauf sprechen, um so herauszufinden wie gut diese Englisch sprechen können. Diese wurden dann zu einem 1-Tages-Workshop eingeladen, bei dem sie unterschiedliche Aufgaben in Teams zu bewältigen hatten (ähnlich wie ein Assessment-Center).

Neben der Arbeit hatte ich natürlich auch viele Gelegenheiten die Stadt zu erkunden und mich mit der Kultur Chinas anzufreunden (Essen, Menschen, Tradition, Umgang, etc.). Die Kultur Chinas ist hoch spannend, da sie doch sehr anders ist als hier in Deutschland. Warum? Beispielsweise spielt die Familie und der Freundeskreis eine ganz wichtige Rolle. Für uns hier in Deutschland natürlich auch, aber in China hat es noch mal einen anderen Grad der Ausprägung der Wichtigkeit. Es ist ganz gewöhnlich für jung verheiratete Chinesen oder auch Ehepaare, die schon sei 20 Jahren verheiratet sind und 3 Kinder haben, dass diese gemeinsam mit ihren Großeltern und Eltern teilweise noch zusammen wohnen und leben. Da die Eltern meistens den ganzen Tag arbeiten, übernehmen die Großeltern meist die Verantwortung für die Erziehung der Kinder (vom Hören sagen). Auch sind die Machtverhältnisse innerhalb der Familie ganz klar und strikt hierarchisch angeordnet. Der Aufbau von harmonischen zwischenmenschlichen Beziehungen nimmt für Chinesen im gesellschaftlichen Miteinander eine hohe Bedeutung ein, denn erst wenn ein solides, vertrauensvolles und harmonisches Verhältnis etabliert ist, sind Chinesen zu Loyalität und Hingabe bereit. Aufgrund der Instabilität der wirtschaftlichen und politischen Lage, haben Chinesen über Generationen hinweg gelernt, sparsam zu sein und ihr Vermögen sukzessive aufzubauen, damit ein Puffer für schwierige Zeiten sowie für Nachfolgegenerationen aufgebaut werden kann. Ebenso ist ein Puffer für Unterstützungsleistungen für Familienmitglieder, in der Regel für die Eltern, zurück zu legen. Daher sind eine hohe Vergütung und die Aussicht auf entsprechende Steigerungen sehr wichtig. Auch Ansehen und sozialer Statusbesitzen eine hohe Bedeutung im chinesischen Wertegefüge. Chinesen werden von Kindesbeinen an auf Erfolg und Weiterkommen gedrillt. Nirgendwo anders geben Eltern relativ zu ihrem Einkommen und Vermögensverhältnissen so viel Geld für die Ausbildung ihres Kindes aus wie in China.

Schaut man sich allein die Stadt und das Metrosystem an, kann man erkennen wie überlegen die Chinesen uns sind – auch in Sachen Technologie oder selbst im Straßenbau, wenn man mal die Nachrichten verfolgt und sieht wie massiv China in Afrika investiert und dadurch mittlerweile der größte Investor in Afrika ist. China ist ohne Frage ein Land der Zukunft, das noch einiges an Überraschungen bereit hält – hier müssen noch viele Länder wie UK, Deutschland, Frankreich und selbst die USA noch einiges aufholen, wenn diese wettbewerbsfähig bleiben wollen. Natürlich gibt es auch auf der anderen Seite noch sehr viel Armut, sehr viele Menschen die für einen Hungerlohn arbeiten gehen, aber selbst das wird, so denke ich, sich in Zukunft noch stark ändern.

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Hier bezahlen die Kollegen ganz unkompliziert ihre Orangen, Mangos usw. per QR-Code. Fand ich schon ziemlich cool!

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Ich war ziemlich erstaunt das die jeweiligen Basketball-Mannschaften aus Stanford und der Harvard University in Shanghai gegeneinander angetreten sind. Das durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Gewonnen hat Stanford mit klarem Vorsprung.

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Das hier ist ein bild aus dem zweithöchsten Gebäude der Welt, dem Shanghai Tower. Interessant: der Aufzug beschleunigt mit 30 Metern pro Sekunde bis zur obersten Etage. Echt heftig. Das waren nur paar Sekunden und wir waren zack auf dem zweithöchten Gebäude der Welt. Gefühlsmäßig braucht es genauso lange für manche Aufzüge hier in Deutschland nur vom 1- bis zum 4. Stockwerk :-)

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Das hier ist ein Foto, dass ich direkt am “BUND” gemacht habe – ich hatte ziemlich Glück dass an diesem Tag der Smog nicht so stark war und ich ein einigermaßen gutes Foto machen konnte. Generell noch zum Smog: den spürt man eigentlich gar nicht in Shanghai. Der ist in Peking anscheinend viel schlimmer. In Shanghai ist noch ganz ok, auch wenn die Luftqualität ca. 5-6x so schlecht ist wie hier in Deutschland.

Falls ihr noch Fragen habt, schreibt mir einfach.

Euer Tefik

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Eine Antwort zu “Meine 3 Wochen in Shanghai”

  1. Karla sagt:

    Toller Bericht und geniale Möglichkeit! Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die Chance hätte, einen Auslandsaufenthalt in Shanghai zu bekommen. Privat und während der Ausbildung ist das bei mir wohl nich drin. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du noch weitere so wertvolle Erfahrungen machen darfst.

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