Was arbeitet man denn in der Praxisphase?

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

 

„Was arbeitet man denn in der Praxisphase?“

 

Diese Frage bekommt man immer wieder gestellt. Heute möchte ich ein wenig über meine Erfahrungen in den bisherigen Praxisphasen berichten.

Zu Beginn muss jeder Wirtschaftsingenieur in das Ausbildungszentrum von Festo. Dort durchläuft man in den ersten Monaten mehrere Einheiten in verschiedenen Fachbereichen. Ein wesentlicher Bestandteil ist das Grundpraktikum Metall, das ist ein von der Dualen Hochschule vorgegebener Grundkurs im Umgang mit Fräs- und Drehmaschinen, Bohrmaschinen und anderen großen und kleinen Werkzeugen. Neben dem Grundpraktikum sind unter anderem die Einführung in das Programmieren und eine Grundlagenschulung zum technischen Zeichnen Bestandteil der Ausbildung. Die erworbenen Grundkenntnisse sind ein hilfreicher Einstieg in das erste Theoriesemester.

 

Durch die vielen neuen Eindrücke und den Wechsel zwischen Praxis und Theorie vergeht die Zeit wie im Flug und man findet sich schon schnell in der nächsten Praxisphase wieder. Einige Wochen vor Beginn erhält jeder eine Email auf den Geschäftslaptop mit der Versetzungseinheit in der man die nächsten Wochen verbringen wird. Meistens ist man in der zweiten Praxisphase im Werk in Scharnhausen. Die Abteilungen sind zum Beispiel die Produktion, die Logistik oder die Instandhaltung. Warum kommt man in diese Abteilungen und was macht man nun genau? Die Auswahl der Abteilung unterliegt mehreren Kriterien. Es gibt einen Leitfaden der DHBW, in welchem Semester welche Bereiche eines Unternehmens besucht werden sollen. Dieser Leitfaden findet sich auch auf der Website von der DHBW. Das Wichtigste aber ist die Verfügbarkeit von Projekten. In der Regel haben die Abteilungen eine konkrete Aufgabe die gelöst werden muss. Mit dieser Aufgabenstellung wird dann bei der Ausbildung angefragt, ob ein Student verfügbar ist, der die Aufgabe umsetzten kann.

 

Hier einige Beispiele, welche Aufgaben in der zweiten Praxisphase bearbeitet wurden:

 

  • Verwendung des Kanban-Systems und Implementierung in der Logistik in Scharnhausen
  • Stabilisierung der Prozesse im Betriebsmittelmanagement
  • Wertstrommanagement in der Elektronikfertigung
  • Erarbeitung von Qualifizierungsmaßnahmen für das Leistungszentrum Kundenlösung
  • Standardisierung von Büroabläufen mit Hilfe des Kaizen-Systems
  • Layoutplanung Shopfloor zur Optimierung des Materialflusses
  • Aufbau einer abteilungsinternen Weiterbildungsmaßnahme im Bereich Automotive Management

 

Bei meiner ersten Aufgabe habe ich Zweifel bekommen, ob ich das überhaupt schaffen kann und ob es mir überhaupt Spaß macht mich mit solchen Themen zu beschäftigen. Doch hat man erst einmal die Kollegen kennengelernt, die einen sehr gut bei der Umsetzung unterstützen, dann läuft das Projekt schon fast von ganz allein.

Die Bearbeitung der Aufgabe kann man ganz grob unterteilen, um den Ablauf verständlicher zu machen. Zu Beginn beginnt man in der Regel mit dem verstehen der Problemstellung und der Festlegung der Ziele, die man erreichen soll. Zu Beginn werden dann die IST-Zustände erfasst, das passiert nicht am Arbeitsplatz vor dem Laptop, sondern hierzu muss man an den Ort des Geschehens – zum Beispiel direkt an eine bestimmte Maschine in der Produktion. Das macht mir persönlich am meisten Spaß. Man arbeitet hierbei nicht nur, sondern man knüpft auch viele neue Kontakte mit vielen verschiedenen Kollegen. Nachdem man die Prozesse analysiert hat, beginnt man mit dem Erarbeiten einer Lösung für die Aufgabenstellung. Dies nimmt die meiste Zeit in Anspruch, da man oft mehrere mögliche Ansätze aufzeigen muss, bewerten und zum Schluss auch auswählen muss. Wenn der endgültige Ansatz dann ausgearbeitet ist, beginnt der vorletzte Schritt: die Umsetzung. Der eigene Ansatz kann zum Beispiel ein neuer Prozess oder ein abgewandelter alter Prozess sein, der zum Beispiel in der Handmontage eingeführt wird. Die Umsetzung ist oft kompliziert. Der letzte Schritt ist dann das Überprüfen ob die Veränderung zum gewünschten Ziel geführt hat, aber oft ist man dann schon wieder in der Theorie an der Hochschule und erfährt erst in der nächsten Praxisphase von den bis dahin schon „alten“ Kollegen, ob es funktioniert hat.

 

In meinem nächsten Beitrag (18.05.2017) werde ich dann auf die Tätigkeiten in den höheren Semestern eingehen. Diese unterscheiden sich hinsichtlich der Verantwortung und der Komplexität der Aufgabenstellung.

Ich hoffe ich konnte einen ersten Eindruck vermitteln, was im ersten Jahr auf einen zukommt.

 

 

Viele Grüße

Philipp

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2 Antworten zu “Was arbeitet man denn in der Praxisphase?”

  1. Simon sagt:

    Hallo Philipp,
    das hört sich sehr abwechslungsreich und spannend an! An welchem DHBW Standort finden den deine Theoriephasen statt?
    Ich warte gespannt auf deinen nächsten Beitrag zu den höheren Semestern!

  2. Philipp D. sagt:

    Hallo Simon,

    das freut mich wenn dir mein Beitrag gefallen hat!

    Nun zu deiner Frage:
    Für Wirtschaftsingenieure findet die Theoriephase in Stuttgart in der Kronenstraße statt.
    Alle anderen Studiengänge sind ebenfalls in Stuttgart, jedoch in anderen Gebäuden.

    Viele Grüße
    Philipp

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